Interview mit Bischof Meier zum Dreihostienfest 2021

Die Andechser Wallfahrt kennt der Augsburger Bischof Bertram Meier seit seinen Kindertagen. Am 26. September wird er den Festgottesdienst zum Dreihostienfest feiern. Im Interview erklärt er, was ihn bis heute mit dem Heiligen Berg Bayerns verbindet.

Welche persönlichen Begegnungen und Erlebnisse verbinden Sie mit dem Kloster Andechs?

Bischof Meier:
"Schon als kleiner Junge durfte ich mit meinen Eltern und Großeltern regelmäßig nach Andechs fahren. Unvergesslich sind mir die frohen Stunden, die wir dort verbrachten. Besonders stolz war ich auf die Lederhose und den Trachtenhut, den ich bei diesen Besuchen tragen durfte. Ich schmunzle manchmal über die Fotos, die damals entstanden sind, mit einer Riesen-Breze um den Hals. Auch nahm der Opa einen kleinen Krug mit Zinndeckel auf den heiligen Berg mit, aus dem ich dann statt echtem Bier (noch) Limo trinken durfte. Eines wurde mir schon als Junge bewusst: Zum Andechs-Besuch gehört wesentlich auch, Jesus und der Muttergottes in der Wallfahrtskirche „Grüß Gott“ zu sagen."

Wallfahrer - Christen in Bewegung

Nach Andechs führt seit über 850 Jahren die älteste Wallfahrt Bayerns. Wallfahren ist seit Jahren wieder „in“. Welche Gründe sehen Sie dafür?

Bischof Meier:
"Wie der Mensch in seiner Biographie immer mobiler wurde, entdeckt er sich auch religiös als Reisender, als Wanderer, als Christ in Bewegung. Wer pilgert, zeigt damit, dass seine eigentliche Heimat kein fester Standort auf dieser Erde ist, sondern dass sein Ziel im Himmel liegt."

Glaubwürdige Christen schaffen Vertrauen

Eine generelle Verunsicherung und Zukunftsangst vieler Menschen sowie Misstrauen oder gar Desinteresse gegenüber der Kirche machen es immer schwieriger, offene Ohren für die Frohe Botschaft zu finden. Wie kann die Kirche dennoch Halt und Sicherheit, Bewegung und Aufbruch vermitteln?

Bischof Meier:
"Die Kirche vermittelt nicht nur Glaubenslehren oder Moralvorschriften, an die wir uns halten sollen. Wenn wir als Kirche „punkten“ wollen, braucht es wieder mehr Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigen Christen schenken die Menschen Vertrauen und lassen sich durch gutes Beispiel zum Nachdenken anregen oder gar in die Nachfolge Christi rufen."

Ein Tisch, den Jesus uns bis heute deckt

Der eigentliche „Geburtsort der Kirche“ ist der Abendmahlssaal. Wie kann man heute den vielen Menschen, die Andechs besuchen, diesen Ursprung wieder näher bringen?

Bischof Meier:
"Wie der Name schon sagt, erinnert der Abendmahlssaal an den gemeinsamen Tisch, den Jesus vor seinem Leiden und Sterben mit den Aposteln geteilt hat. Wer den heiligen Berg in Andechs ansteuert, bei dem darf das gemeinsame Essen und Trinken nicht fehlen. Die Andechser Brotzeit ist sprichwörtlich. Wenn es gelingt, dass immer mehr Andechs-Besucher vom Bräustüberl und Biergarten einige Meter höher in die Kirche steigen, dann lässt es sich erahnen: Auch die Kirche von heute begründet der gemeinsame Tisch, den Jesus uns bis heute deckt – in Brot und Wein, am Altar, gerade in der Wallfahrtskirche von Andechs."

Kloster Andechs Wappen