"Jesus führt uns in die Weite!"

Beim traditionellen Dreihostienfest in Andechs hat Bischof Dr. Bertram Meier in seiner Predigt eine „weite Kirche“ gefordert.

„Jesus“, so der Bischof, „traut uns zu, dass wir leben können, ohne dass wir alles kleinlich vorschreiben oder kleinkariert festlegen müssten. Jesus, der gute Hirte, führt uns in die Weite.“

Das nehme er sehr ernst auch für sein Hirtenamt: „Ich möchte nicht diejenigen über mich und die mir anvertrauten Gläubigen Macht gewinnen lassen, die Angst haben vor zu großer Weite und deshalb die Schafe lieber in einem engen Stall einpferchen wollen.

Freilich: Im Stall kann man nicht viel falsch machen, dazu gibt es auch zu wenig Bewegungsfreiheit. Aber dort kann man nicht einmal richtig leben – höchstens darauf warten, dass man gemolken, geschoren und schließlich geschlachtet wird.“

Andechs: Kloster - Dreihostienfest Foto: Nila Thiel
Andechs: Kloster - Dreihostienfest Foto: Nila Thiel
Andechs: Kloster - Dreihostienfest Foto: Nila Thiel

Gottesdienst im Freien bei spätsommerlichem Sonnenschein

Normalerweise wird beim Dreihostienfest die Monstranz nach dem Festgottesdienst in feierlicher Prozession um den Berg getragen – dies ging in diesem Jahr coronabedingt noch nicht, die Monstranz wurde auf dem Altar verehrt - der Gottesdienst konnte bei herrlichem Spätsommerwetter im Freien stattfinden.

„Für die Kirche gibt es keinen Fortschritt im Rückwärtsgang“

Für Bischof Bertram ist „Prozession“ aber auch eine Frage der inneren Einstellung: „Das Wort kommt ja vom lateinischen „procedere“, was so viel heißt wie: vorwärtsgehen, fortschreiten, nach vorne gehen. Wer eine Prozession machen will, darf nicht auf der Stelle treten; er muss voranschreiten.

Das gilt auch für unser kirchliches Leben. Für die Kirche gibt es keinen Fortschritt im Rückwärtsgang. Sie soll Schritt halten mit den Menschen; sie muss beweglich bleiben, um neue Wege zu finden, damit das Evangelium Jesu Christi richtig ankommt; (…).

„Wer auf der Stelle tritt, der kann vielleicht Sauerkraut stampfen, das man dann einmacht und 'konserviert'; aber Jesus will keine 'Konservenkirche', keinen sauertöpfischen Verein, sondern eine lebendige und liebenswerte Gemeinschaft mit Esprit, um nach vorn zu schreiten.“

Christus hochhalten

In Bezug auf den Anlass des Festtages sagte der Bischof: "Die Hostie ist nicht nur unser Allerheiligstes; kein Ding, sondern Person: der Allerheiligste. Ohne ihn können und wollen wir nicht leben. Wie an Fronleichnam, so halten wir heute Christus hoch; wir lassen ihn hoch-leben, damit wir auch schwierige Zeiten unversehrt überleben. Nicht um Personen geht es uns, nicht um uns selbst oder irgendwelche Lobbyisten, die es auch in der Kirche gibt, sondern um IHN, den Herrn, der in seiner großen Barmherzigkeit alle an sich zieht."

(Text mit freundlicher Genehmigung des Bistums Augsburg)

Kloster Andechs Wappen