Inspiriert durch die Grimmschen "Kinder- und Hausmärchen“ schrieb Carl Orff 1938 das Bühnenwerk Der Mond. Die Handlung ist auf den Naturmythos vom zu- und abnehmenden Mond zurückzuführen: Weil bei der Erschaffung der Welt das nächtliche Licht nicht für alle Teile der Erde ausgereicht hat und Teile des Landes im Dunkeln lagen, klauten vier Burschen aus einem Dorf den auf einer Eiche aufgehängten Mond.
Als die vier Burschen auf der Schwelle zum Grabe stehen, haben sie ihre gesamte Habe verprasst - übrig geblieben ist ihnen nur der Mond auf der Eiche, um den sie sich ihr Leben lang gekümmert haben. Jeder von ihnen verlangt daher, einen Teil des Mondlichts mit in den Sarg gelegt zu bekommen. Im Grabe erweckt die Kraft des Mondscheins die Toten zu neuem Leben, und sie feiern ausufernde Gelage. Erst Petrus, der den Himmel in Ordnung hält, bringt auch das durch den Glanz des Mondes gestörte Totenreich wieder zur Ruhe. Indem er den Mond zurück an den Himmel hängt, gelangen Menschen und Totenreich wieder in ihr kosmisches Gleichgewicht.