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DER GOGGOLORI
   
Handlung

Der Weber Irwing hat mit dem Goggolori eine Pakt geschlossen. Als Gegenleistung für die Fruchtbarmachung seiner Felder hat er ihm sein erstes Kind versprochen. Als die Zeit gekommen ist und der Goggolori die herangewachsene und unwissende Zeipoth holen will, ist diese aber in den jungen Musikanten Aberwin verliebt. Zeipoths Mutter, die Weberin, sucht bei der Ullerin, einer Hexe, Hilfe, um den Goggolori los zu werden. Die Hexe händigt ihr eine Phiole mit einem Mondstück aus, welche denjenigen, auf den es geworfen wird, auf der Stelle erstarren läßt. Verfehlt jedoch der Wurf sein Ziel, kommt die Pest über das Land. Der Wurf misslingt.

Auf dem Erntedankfest predigt der Einsiedel nicht länger an den Goggolori zu glauben und verkündet die Verlobung von Zeipoth und Aberwin, der Goggolori erscheint, zieht Zeipoth mit sich und kündigt die Pest an, deren erstes Opfer die Weberin wird.


Erst Monate später kehrt Zeipoth wie eine Schlafwandlerin aus dem Reich des Goggolori zurück. Von ihrem Vater erfährt sie von dessem Pakt mit dem Goggolori. Als der Goggolori in der Gestalt eines Soldaten mit der Ullerin beim Kartenspiel sitzt, um immer höhere Einsätze spielt und zunächst verliert, kommt Zeipoth hinzu. Sie setzt sich selbst als letztes Pfand ein, der Goggolori spielt eine letzte Runde und gewinnt, die Ullerin fährt zu Hölle. Zeipoth schenkt dem Goggolori ihren Tod und erlöst ihn damit von seinem Schicksal, nicht sterben zu können.




Die Uraufführung des Goggolori fand am 3. Februar 1985 im Staatstheater am Gätnerplatz in München statt. Das Werk entstand im Auftrag der “Freunde des Nationaltheaters” und der Generalintendanz der Bayerischen Staatstheater.

Die am Ammersee beheimatete Sage erzählt von dem mit dem keltischen Genius cucullatus (Gott mit der Kapuze) in Verbindung gebrachten Goggolore, der in wechselnder Gestalt zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Finning sein Unwesen getrieben haben soll. Das Werk wurzelt im Orffschen Musiktheater und bezieht seinen Reiz aus dem Mythos der zugrunde liegenden Sage, in der heidnischer Glaube und Katholizismus aufeinander prallen.

Das Werk kann keinem eindeutigen Genre zugeordnet werden. Als Sprechstück mit Musik steht es zwischen Bauerntheater, Volksoper und Theatrum mundi. Die vielen gesprochenen Passagen verwenden den bayerischen Dialekt, jedoch nicht wie bei Orffs Bernauerin etwa als Kunstsprache, sondern mit dem Ziel, eine authentische Atmosphäre zu erzeugen. Unterstützend wirken hierbei alpenländische Lieder und Tänze, die als musikalische Einlagen fungieren und die Basis für Hillers Komposition bilden. Ziel ist die dramaturgische Einheit von Dialekt, Musik und Szene.

Das Werk feierte bei seiner Uraufführung in München einen außergewöhnlichen Erfolg und wurde mehrere Spielzeiten vor ausverkauftem Haus gespielt.
Wilfried Hiller
Wilfried Hiller
Wilfried Hiller wurde am 15.3.1941 in Weißenhorn in Schwaben geboren. Nach einem Klavierstudium bei Wilhelm Heckmann am Augsburger Konservatorium (seit 1956) arbeitete er zunächst als Organist und Ballett-Repetitor, bevor er 1963 ein Musikstudium an der Münchner Musikhochschule begann. Dort studierte er Komposition (Günther Bialas), Opernregie (Heinz Arnold), Schlagzeug und Pauke (Ludwig Porth und Hanns Hölzl) sowie Musiktheorie (Hermann Pfrogner). Ab 1967 arbeitete Hiller als Schlagzeuger in verschiedenen Orchestern, so z.B. am Staatstheater am Gärtnerplatz und an der Bayerischen Staatsoper. 1968 gründete er die Konzert-Reihe "musik unserer zeit". Die folgenden Jahre waren durch den Kontakt mit Carl Orff beeinflußt, den er 1968 kennen lernte und mit dem er als sein Schüler bis zu dessen Tod eng zusammenarbeitete.

Die Begegnung mit Michael Ende 1978 bedeutete den Beginn einer fruchtbaren künstlerischen Partnerschaft und engen Freundschaft, die bis zu Endes Tod im Jahr 1995 andauerte und zu einer ganzen Reihe erfolgreicher Werke führte, wie "Die zerstreute Brillenschlange", "Vier musikalische Fabeln" und Der Goggolori, "Die Jagd nach dem Schlarg", "Das Traumfresserchen" und "Der Rattenfänger".

Seit 1971 ist Hiller als Musikredakteur beim Bayerischen Rundfunk tätig, 1989 wurde er Mitglied der Bayerischen Akademie der Künste, 1991 erhielt er einen Lehrauftrag an der Münchner Musikhochschule und 1993 wurde er als Kompositionslehrer an das Richard-Strauss-Konservatorium München berufen.