Die aus dem 13. Jahrhundert stammenden lateinischen, mittelhochdeutschen und altfranzösischen Verse einer Handschrift aus Kloster Benediktbeuern lieferten Carl Orff Grundlage und Inspiration für das heute weltweit populärste Chorwerk.
Es handelt sich dabei um moralisch-satirische Dichtungen, Liebes-, Trink-, Spielerlieder und geistliche Schauspiele. Carl Orff war so fasziniert von der Bildhaftigkeit, der vokalreichen Musikalität und dem mitreißenden Rhythmus der Textvorlage, dass das ganze Werk bereits nach wenigen Wochen so weit gediehen war, dass er es dem Schott-Verlag vorstellen konnte. Die Carmina Burana (Cantiones profanae cantoribus et choris cantandae comitantibus intrumentis atque imaginibus magicis) überzeugte, auch wenn es Vorbehalte gegen den lateinischen Text gab. Die Partitur war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschrieben und ihre Fertigstellung zog sich bis zum August 1936 hin.
Am 8. Juni 1937 kam die Carmina Burana an den Städtischen Bühnen Frankfurt in einer Inszenierung von Oscar Wälterlin und unter der Musikalischen Leitung von Bertil Wetzelsberger zur Uraufführung. Danach sagte Orff zu seinem Verleger: “Alles, was ich bisher geschrieben habe und Sie leider gedruckt haben, können Sie nun einstampfen. Mit Carmina Burana beginnen meine gesammelten Werke.“
Die Carmina Burana ist nach einer Introduktion in drei Teile gegliedert: Primo vere (Im Frühling), In Taberna (In der Schänke) und Cour d´amour (Liebeshof). Die melodische Eingängigkeit des Werkes, die scheinbar traditionelle harmonische oder kirchentonale Fundierung des Klangsatzes, die am Strophenbau der Texte orientierte metrische Gleichläufigkeit und rhythmischen Verse sind Qualitäten, die auch jene zu erreichen vermögen, die sich vornehmlich dem Rock und Pop, der Minimal Art oder der Postmoderne zuwenden.